Gewaltfreie Kommunikation

Was ist Gewaltfreie Kommunikation (GFK)?  

 

Die Gewaltfreie Kommunikation wird oft auch als "Wertschätzende" oder "Empathische" Kommunikation bezeichnet und ist eine von Marshall B. Rosenberg entwickelte Methode, die es ermöglicht, auch in herausfordernden Situationen mitfühlend mit uns selbst und anderen umzugehen. Ihr liegt ein zutiefst positives Menschenbild zugrunde. Der Leitgedanke dabei ist, dass alles, was ein Mensch tut, er nur deshalb macht, um sich Bedürfnisse zu erfüllen. Manchmal wählt er dafür allerdings Strategien, die nicht von allen gut geheißen werden. Dies führt unweigerlich zu Konflikten. 

 

Die Vision der GFK ist, dass es möglich ist, eine Welt zu erschaffen, in der die Bedürfnisse aller gleichermaßen gewürdigt werden. Und ebenso, dass wir friedliche Lösungen finden, um diese so zu erfüllen, dass sie nichts und niemandem schaden. Dahinter steht die Überzeugung, dass genug für alle da ist. 

 

 

"Was ich in meinem Leben will, ist Einfühlsamkeit. 

Ein Fluss zwischen mir und anderen, der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht." 

(Marshall B. Rosenberg)

 



Rosenberg und das Konzept von Wolf und Giraffe


 

Wolfs- und Giraffensprache, Rosenbergs neues Sprachbild 

 

Um sein Konzept der GFK besser veranschaulichen zu können, führte Rosenberg ein neues Sprachbild ein: Die  Wolfs- und Giraffensprache. Ursprünglich wählte er den Schakal, doch der ist weltweit weniger bekannt als sein höher entwickelter Verwandter, der Wolf, weshalb man ihn einfachheitshalber ersetzte. In seinen Seminaren nutzte er Handpuppen und ließ diese auf unterschiedliche Arten sprechen, um zu verdeutlichen, wann Wolfs- und wann Giraffensprache gesprochen wird. Doch was hat es mit diesen unterschiedlichen Tieren auf sich? 

 

 

Schakal / Wolf

 

Sowohl der Schakal als auch der Wolf haben eine strenge Hierarchie innerhalb ihres Rudels. Das sichert ihnen das Überleben. Wer diese Rangordnung missachtet, wird angegriffen und gezwungen, sich zu unterwerfen. Oft wird er auch aus dem Rudel vertrieben. Dieses aggressive Verhalten wird auch gegen feindliche Tiere eingesetzt, die das Revier oder Futter streitig machen wollen. Nicht selten enden solche Auseinandersetzungen tödlich. 

 

 

Wolfssprache

 

Die "Wolfssprache"  oder auch "Herrschaftssprache" bezeichnet Rosenberg als Quelle der Gewalt, denn sie ist Ausdruck einer lebensentfremdenden Kommunikation. Die sogenannten "Wölfe" sind immer auf der Suche nach Schuld, entweder bei sich selbst oder bei anderen. Das Gerechtigkeitssystem basiert auf Bestrafung und Belohnung. Diese Art zu denken ist in unserer Erziehung entstanden. Es wurde gelernt, einer Obrigkeit zu gehorchen, Urteile über uns und andere zu fällen und alles in Kategorien von gut und schlecht, richtig und falsch einzuteilen. Analysen, Diagnosen, Bewertungen und Interpretationen sind Folgen dieses Denkens. Dies drückt sich durch Kritik und Verurteilung, aber auch durch Forderung, Manipulation, Drohung, Strafe und Sanktion aus. Das Aufstellen von Ver- und Geboten und die Weitergabe von Befehlen, sowie das Leugnen der eigenen Verantwortlichkeit gehören ebenso dazu. Auf der anderen Seite stehen Lob, Kompliment und Belohnung. Doch all dies ist nur ein missglückter Versuch, Bedürfnisse auszudrücken. 

Giraffe

 

Die Giraffe hat keine Gegner und auch keine Nahrungskonkurrenten, da sie sich von Blättern aus luftiger Höhe ernährt. Mit ihrem langen Hals hat sie außerdem einen guten Überblick über alles und wirkt stets entspannt. Sie ist das Landtier mit dem größten Herzen. Das braucht sie, um das Blut über den langen Hals in den Kopf zu pumpen. 

 

 

 

Giraffensprache

 

Die "Giraffensprache" wird deshalb auch "Sprache des Herzens" genannt und ist Ausdruck einer mitfühlenden und wertschätzenden Kommunikation. Hier gibt es kein Schubladendenken und auch kein Abschieben der Verantwortung für die eigenen Handlungen. Es wird strikt zwischen Beobachtung und Bewertung getrennt und der Fokus liegt auf Gefühlen und Bedürfnissen, wobei die Bedürfnisse aller Personen als gleichwertig erachtet  werden, unabhängig von Geschlecht oder Alter. So findet eine Begegnung auf Augenhöhe statt. Dies schafft Vertrauen und führt zu Verbindung. Aus dieser Haltung heraus werden friedliche Lösungen entwickelt, die für alle gleichermaßen zufriedenstellend sind.